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  Antworten für Konduktorinnen





Kann ich als Konduktorin auch bluten?


Laut Lehrbuch sind Konduktorinnen gesund. Unsere Erfahrungen zeigen allerdings, dass dies nur eingeschränkt stimmt. Daher habe ich eine Befragung von über 300 Konduktorinnen durchgeführt. Hier zeigte sich, dass über 70% der Frauen über Blutungskomplikationen bei sich selbst berichten. Hierbei handelt es sich vor allem um:

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verstärkte und verlängerte Menstruationsblutungen,
Blutungen unter oder nach der Geburt,
Neigung zu blauen Flecken,
Nasenbluten oder
Nachblutungen nach Operationen und Zahnextraktionen.
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Gelenkblutungen, wie wir sie klassischerweise bei Patienten mit Hämophilie sehen, wurden seltener beobachtet. Die zum Teil ausgeprägte Blutungsneigung führt oft zu einer Blutarmut (Anämie).
Die begleitende Müdigkeit und Schlappheit wird von den Frauen teilweise als sehr belastend empfunden. Auch die Tatsache, dass sich die Frauen mit ihren Blutungen von den Ärzten und ihrer Umgebung nicht ernst genommen fühlen, führt zu einer großen Verunsicherung vieler Konduktorinnen. Bei den Konduktorinnen mit Blutungszeichen kommt die Hämophilie somit doch in milder Form zur Ausprägung, was nicht weiter verwunderlich ist, da ja eines der X-Chromosomen defekt ist. Häufig haben diese Frauen auch selbst erniedrigte Werte für den Faktor VIII bzw. den Faktor IX, ähnlich einer milden Hämophilie.

Es gibt aber auch eine ganze Reihe von Frauen, die bei sich selbst keine Blutungszeichen beobachten und auch Operationen problemlos überstanden haben. Konduktorin zu sein heißt also nicht zwangsläufig auch „Bluterin“ zu sein!