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  Antworten für Konduktorinnen





Wie bereite ich mich auf eine Geburt vor ?


Wenn bei Ihnen eine Fruchtwasseruntersuchung durchgeführt wurde, ist bereits bekannt, ob Ihr Kind eine Hämophilie haben wird oder nicht. Falls diese Untersuchung nicht durchgeführt wurde, empfehlen wir, vor der Geburt mit Hilfe einer Ultraschalluntersuchung das Geschlecht des Kindes zu bestimmen. Beide Untersuchungen sind aber nicht erforderlich, wenn Sie dies nicht wünschen.
Zunächst sollten Sie sich an Ihr Hämophiliezentrum wenden. Dort werden Sie umfassend beraten. Gemeinsam sollten Sie sich für eine geeignete Geburtsklinik entscheiden. Diese Klinik sollte durch das Hämophiliezentrum und durch Sie selbst möglichst schon 2–3 Monate vor dem errechneten Geburtstermin über die anstehende Entbindung informiert werden. Hierzu eignen sich spezielle Risikosprechstunden der Geburtskliniken.

Vorbereitungen für Sie als Konduktorin:
Bei Ihnen als Konduktorin kann es unter und nach der Geburt möglicherweise zu Blutungen und Wundheilungsstörungen kommen. Insbesondere nach Kaiserschnitten besteht ein erhöhtes Risiko für Störungen der Wundheilung. Diese Art der Entbindung ist für Sie also nicht unbedingt vorteilhaft. Die Frauenärzte müssen hierüber informiert und die erforderlichen Medikamente im Kreissaal und später auf der Entbindungsstation verfügbar sein. Wann und in welchem Umfang bei Ihnen eine Therapie mit Gerinnungsfaktor oder bei Hämophilie A mit DDAVP (Minirin®) erforderlich ist, muss im Einzelfall von einem erfahrenen Hämostaseologen entschieden werden.

Vorbereitungen für Ihr Kind:
Generell gilt, dass auch ein Kind mit Hämophilie normal entbunden werden kann, sofern keine Komplikationen zu erwarten sind. Im Falle einer Beckenendlage, bei sehr großem Kind und/oder engem Becken der Mutter müssen bei der Geburt immer wieder eine Zange oder eine Saugglocke eingesetzt werden. Dabei ist das Verletzungsrisiko des Kindes erhöht. In diesen Fällen ist die Geburt per Kaiserschnitt vorzuziehen. Auf jeden Fall sollte ausreichend Gerinnungsfaktor (kleine Packungsgrößen) für das Kind im Kreissaal bzw. im Neugeborenenzimmer vorrätig sein. Nach der Geburt sollte das Kind sorgfältig von einem erfahrenen Kinderarzt untersucht werden. Daher ist eine Entbindung in einer Geburtsklinik mit angeschlossener Kinderabteilung (Perinatologisches Zentrum) empfehlenswert.
Bei einem Kind mit Hämophilie bzw. einem Jungen, bei dem die Hämophilie nicht ausgeschlossen ist, erfolgen dann auch Ultraschall-Untersuchungen des Gehirns und der inneren Bauchorgane. Die Diagnose Hämophilie kann im Nabelschnurblut gestellt bzw. bestätigt werden. Wenn das Kind gesund ist oder trotz Hämophilie keine Blutungen hat, ist auch eine Therapie mit Faktor nicht erforderlich. Das Kind sollte unbedingt bei der Mutter bleiben.
Nur im Falle von Blutungskomplikationen oder anderer Störungen ist eine Verlegung in die Kinderklinik gerechtfertigt.